Der BAKS wird zum Teenager

© Peter Dietrich

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Zehn Jahre Bezirksarbeitskreis für Senioren im Evangelischen Kirchenbezirk Bernhausen

Von Peter Dietrich

Nach uns die Sintflut? Von wegen. „Uns liegt die Zukunft der kommenden Generation am Herzen“, sagte Dekan i.R. Richard Haug beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Bezirksarbeitskreises für Senioren (BAKS) im Evangelischen Kirchenbezirk Bernhausen. „Es ist uns nicht egal, wie es nach uns weitergeht.“ Haug war als Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Evangelischen Senioren in Württemberg (LAGES) nach Ostfildern gekommen und beschrieb den ersten BAKS in Württemberg als „Leuchtturm, viele andere orientieren sich daran“. Der BAKS im Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen hat gerade ebenfalls die Zehn erreicht – allerdings nicht Jahre, sondern Tage, er ist ganz neu. Noch immer gebe es in der Kirche ein veraltetes Altersbild, das die Hilfsbedürftigkeit betone, bedauerte Haug.

Die Vorgeschichte des BAKS auf den Fildern reicht fast zwanzig Jahre zurück, doch zum 1. Januar 2009 gab es die neue Struktur: Nicht mehr einzelne Beauftragte des Dekans kümmerten sich um die Seniorenarbeit, sondern jeweils ein Delegierter aus jeder Kirchengemeinde. Von Anfang an ging es mit der Zielgruppe „55plus“ nicht ums Kaffeekränzchen, sondern um brandaktuelle Themen. Das zeigte der Rückblick von Pfarrer i.R. Richard Genth, der treibenden Kraft im BAKS: Bisherige Veranstaltungen drehten sich um die Volkskrankheit Depression, um Sucht im Alter, um Altersarmut, um Leben mit Demenz, mehrmals um Sterbehilfe, um psychische Krankheiten, um Inklusion, um Sorgende Gemeinden und vieles mehr. Aus einem ersten Gottesdienst für Menschen mit und ohne Demenz wurde ein Dauerangebot, viermal jährlich am Sonntagnachmittag. Ehrenamtliche aus dem BAKS bringen sich in Projekte zur Quartiersentwicklung ein, wie sie 2017 in der Parksiedlung und 2018 in Leinfelden-Unteraichen und Nellingen begannen und nun auch in Sielmingen geplant sind. In einer Gesprächsrunde sagte Christoph Killgus, der Vorsitzende der Bezirkssynode, was ihm am BAKS auffiel: Dort gehe es um Themen, die generationsübergreifend wichtig seien.

Seit 2017 wird der BAKS durch die Seniorenreferentin Birgit Keyerleber unterstützt, allerdings nur in einer 15-Prozent-Anstellung. Beim Festakt gab es eine gute Nachricht: Ab Herbst, das hat der Kirchenbezirksausschuss (KBA) soeben beschlossen, sind es 20 Prozent. Dekan Rainer Kiess dankte allen, die für den BAKS vollen Einsatz bringen und ihn mit Leben füllen und änderte die Abkürzung in „besonders agile, kirchenverbundene Seniorinnen und Senioren“.

Zum Jubiläum gönnte sich der BAKS nicht nur wunderbar jazzige Musik mit Liudmyla und Dimi Fain an Flügel und Saxofon. Großen Raum nahm auch die stille Kunst ein, mit dem spanischen Meisterpantomimen Carlos Martínez. Er spielte ohne Maske und mit humorvollen Erläuterungen zu seinen Stücken. Er erzählte auch, wie ihm der zuerst ablehnende Pfarrer seiner Kirchengemeinde in Barcelona das Pantomimespiel erlaubte: Zuerst habe er stattdessen zwei Jahre Jugendarbeit gemacht, danach im Chor gesungen. Nach zwei Wochen im Chor habe der Pfarrer gesagt: „Okay, spiel Pantomime.“

Dies tut Martínez meisterhaft präzise mit acht verschiedenen Bühnenprogrammen, das Spektrum der Ausschnitte beim Festakt reichte vom Lieblingspsalm seiner Mutter, Psalm 23 („Der Herr ist mein Hirte…“) bis zum Ärger über das neue Handy, das nicht funktioniert. „Das Stück ist für meinen Vater, der Pantomime sonst nicht verstand. Das hat er verstanden!“ Martínez bat das Publikum, ihm Personen aus der Bibel zu nennen, die er spielen solle, es aber bitte nicht zu schwer zu machen. Schon behauptete Adam mit seinen Gesten, dass Eva an allem schuld war, wurde der stolze Josef in den Brunnen geworfen und siegte David über den Riesen Goliath. In einem kleinen Workshop hieß der Meister das Publikum den Arm bewegen, dabei aber gleichzeitig die Hand völlig ruhig zu halten. Uff, das würde wohl ganz viel Training verlangen, ganz egal in welchem Alter.