Berichte, Presseartikel, Manuskripte

Globalisierungskritischen Gesprächen am 24.10.2017

Zum Bericht und den Fotos der Veranstaltung!

Ein Kreuz aus Nägeln als Zeichen der Versöhnung

 

Evangelischer Kirchenbezirk Esslingen wird Mitglied der Nagelkreuzgemeinschaft

Der Evangelische Kirchenbezirk Esslingen wird in die Nagelkreuzgemeinschaft aufgenommen. Dies ist ein weltweites ökumenisches Netzwerk, das sich für Frieden und Versöhnung einsetzt und unter der Führung der Kathedrale von Coventry steht. Erstmals wird ein Kirchenbezirk Mitglied. Der Anstoß dazu kam vom Friedensteam des Kirchenbezirks um Pfarrer Stefan Schwarzer und Markus Geiger, dem Leiter des Evangelischen Bildungswerks.

Die Nagelkreuzgemeinschaft ist im englischen Coventry entstanden, das am 14. November 1940 von der deutschen Luftwaffe praktisch dem Erdboden gleich gemacht wurde. Auch die mittelalterliche Kathedrale wurde fast vollständig zerstört. Bereits am nächsten Tag rief Propst Richard Howard zur Versöhnung auf. Sinnbild dafür ist das „Cross of Nails“, das Nagelkreuz, das aus drei Nägeln des Dachgebälks der Kathedrale zusammengefügt wurde und heute auf dem Altar der neben der Ruine neu errichteten Kathedrale steht. „Father, forgive“ (Vater, vergib) ließ Howard an die Wand der zerstörten Kathedrale schreiben und rief damit zur allumfassenden Vergebung nicht nur für die Täter, sondern für alle Menschen auf. Ein Gedanke, den das Friedensteam durch die Mitgliedschaft in der Nagelkreuzgemeinschaft weitertragen will. „Es war eine sehr große Geste, gleich am nächsten Tag die Nägel zu sammeln und um Vergebung zu beten“, sagt Pfarrer Schwarzer. Für ihn hat dies auch eine politische Dimension: „Es geht um die Frage, wie Opfer aber auch Täter nach geschehenem Unrecht weiterleben können.“ Ob Kirche politisch sein soll, habe auch die Synode des Kirchenbezirks diskutiert, bevor sie den einstimmigen Beschluss fasste, die Mitgliedschaft anzustreben, berichtet Schwarzer. Für Markus Geiger ist klar: „Friedensarbeit ist nichts Harmloses.“ Ihm gefällt besonders die Verbindung von Spiritualität und konkretem Handeln, die die Nagelkreuzgemeinschaft ausmacht. Das Netzwerk aus Kirchen und christlichen Organisationen und Institutionen mit weltweit mehr als 200 Mitgliedern teilt die Verpflichtung, für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung zu arbeiten und zu beten mit dem Ziel, „die Wunden der Vergangenheit zu heilen, in der Gegenwart in Unterschiedenheit und mit Unterschieden leben zu lernen und für die Zukunft an einer Kultur des Friedens und der Versöhnung zu arbeiten“, so sagt es die deutsche Nagelkreuzgemeinschaft.

Voraussetzungen für die Mitgliedschaft sind unter anderem das Engagement in der Friedensarbeit, die inhaltliche und spirituelle Auseinandersetzung mit dem Versöhnungsgedanken, die Vernetzung mit anderen Nagelkreuzzentren und die Verbindung zur Kathedrale von Coventry. Diese findet Ausdruck in einer Pilgerreise nach Coventry, die das Esslinger Friedensteam vom 3. bis 7. Oktober unternimmt. Im April 2018 wird ein Vertreter aus Coventry dann das Nagelkreuz im Gottesdienst in der Esslinger Stadtkirche übergeben.

Schwarzer und Geiger stellen sich vor, dass es ein durch den Bezirk „wanderndes Nagelkreuz“ wird, das bei Gottesdiensten oder Friedensgebeten zum Einsatz kommt. Das habe den Verantwortlichen in Coventry gut gefallen, so Geiger. „Wir werden es liturgisch und thematisch in unsere Arbeit integrieren“, kündigt Schwarzer an. Man überlege allerdings auch, zwei Nagelkreuze zu erbitten, von denen eines einen festen Platz bekommt. Für den Oberesslinger Pfarrer ist das Nagelkreuz auch eine Chance, Menschen die historischen Vorgänge von Coventry und die Größe des von dort ausgeheneden Versöhnungsgedankens zu verdeutlichen. „Das Kreuz kann ein Symbol sein, das für die Thematik von Versöhnung, Frieden und gewaltfreie Konfliktlösung sensibilisiert“, meint Geiger. „Menschen sollen sich berühren lassen und darüber nachdenken, wie ein friedliches Zusammenleben aussehen kann“, ergänzt Schwarzer.

Auch die Liturgie von Coventry mit dem Versöhnungsgebet, in dem jede Bitte mit „Father, forgive“ endet und das in allen Nagelkreuzzentren regelmäßig gebetet wird, soll in die Friedensgottesdienste und andere Veranstaltungen einfließen.

 

Das Versöhnungsgebet von Coventry

„Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten“  (Röm. 3,23)

Darum lasst uns beten:

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse

VATER, VERGIB

Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr eigen ist

VATER, VERGIB

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet

VATER, VERGIB

Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der Anderen

VATER, VERGIB

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlingen

VATER, VERGIB

Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht

VATER, VERGIB

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott

VATER, VERGIB

„Seid untereinander freundlich, herzlich, und vergebt einer dem anderen, wie Gott euch vergeben hat in Christus“  (Eph. 4,32)

 

 

 

 

PRESSEINFORMATION VOM 21. AUGUST 2017

© Evang. Bildungswerk im Landkreis Esslingen

Luther im Quadrat
Das Evangelische Bildungswerk im Landkreis Esslingen stellt sein Halbjahresprogramm vor

Nochmals spielt Martin Luther eine große Rolle im Halbjahresprogramm des Evangelischen Bildungswerks im Landkreis Esslingen – ohne blinde Verehrung und mit kritischen Anfragen.

Seine Rolle spielt Luther auch bei der Württembergischen Landesbühne Esslingen (WLB). Deshalb spricht der WLB-Chefdramaturg Markus Grube mit Dr. Christiane Kohler-Weiß, Beauftragte der Evangelischen Landeskirche für das Reformationsjubiläum, über den Reiz der Figur Luthers, nicht nur für das Theater. Der Abend am 16. Oktober in Esslingen gehört zur Reihe „Klartext im Blarer“. In der Nürtinger Reihe spricht am 31. Oktober der Sportler, Hornist, Jurist und frühere Erste Landesbeamte Matthias Berg zum Thema „Kraft schöpfen – aber wie?“.
In der Kirchheimer Reihe untersucht der Tübinger Professor Dr. Andreas Hasenclever am 8. November, ob Religionen in bewaffneten Konflikten eher Kriegstreiber oder Friedenstraube sind. Ebenfalls in der Kirchheimer Reihe spricht am 25. September der Tübinger Professor Dr. Karl-Josef Kuschel mit dem Thema „Martin Luther, die Türken und der Islam“ über ein schwieriges Erbe des Reformators. Ähnlich schwierig war sein Verhältnis zu den Bauern, um dieses geht es am 5. Oktober beim Abendforum Bissingen. Um „Martinus den Mystiker“ geht es am 27. September in Altdorf.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die aktuelle Politik. Bei einem zweitägigen Symposium mit dem Esslinger „Arbeitskreis Ökonomie“ geht es am 20. und 21. Oktober um das bedingungslose Grundeinkommen. Die Begegnungstagung „Kirche und Gewerkschaft“ am 10. und 11. November steht allen Interessierten offen, zur Vertrauenskrise der Parteiendemokratie sprechen die Ex-Justizministerin Dr. Hertha Däubler-Gmelin und der Stuttgarter Stadtdekan Msgr. Dr. Christian Hermes. Wie christlich das christliche Abendland ist, fragt der Tübinger Religionswissenschaftler Dr. Stefan Schreiner am 19. Oktober in Deizisau. Welche Chancen der Frieden noch hat, wenn Trump zündelt, Europa taumelt und der Nahe Osten brennt, untersucht der Genfer UNO-Korrespondent Andreas Zumach am 24. Oktober in Ostfildern-Nellingen.
Das Friedensbündnis Esslingen hat am 9. November bei der WLB ein Gastspiel der Berliner Compagnie organisiert. Sie spielt vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts das Stück „Das Bild vom Feind. Wie Kriege entstehen“. Luthers Frau, Katharina von Bora, tritt am 29. September in Oberlenningen und am 20. Oktober in Oberaichen auf, verkörpert von Gesine Keller von „Dein Theater“ in Stuttgart. Stefan Österle von „Dein Theater“ bietet am 27. September in Aichtal-Grötzingen sein Programm über Luther, den Untertan und Freigeist. Im Nürtinger Traumpalast läuft die monatliche Reihe „Starke Filme für Menschenrechte“ und am 28. Oktober „Luther – der Film“. Die Nürtinger Dienstagmorgenmännerreihe „Bizeps & Bibel“ wird um einen Extratermin in der Sammlung Domnick ergänzt.
Wie eine Gemeinde eine „sorgende Gemeinde“ aus lauter Nachbarn wird, darum geht es am 7. Oktober beim „Forum am Nachmittag“ in der Petruskirche in Filderstadt-Bernhausen. Nach Stuttgart führt der Besuch bei der Bestatterin Barbara Rolf, sie berichtet am 23. November. Bei den landkreisweiten Workshops für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit arbeiten nun die Katholische Erwachsenenbildung (keb), die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und das Evangelische Bildungswerk zusammen. Zum Auftakt geht es am 28. September in Denkendorf um „Aktuelles zum Flüchtlingsrecht“.
Die dreiteilige Reihe mit Pfarrer Andreas Streich zum Aufbruch aus dem Mittelalter und zur Reformation in Filderstadt-Plattenhardt beginnt am 5. Oktober. Dann beginnen auch die fünf Abende zur „Reformation des Herzens“ mit Pfarrerin Cornelia Krause im Esslinger „Kloster für die Stadt“. Der Evangelische Kirchenbezirk Esslingen will Mitglied der Nagelkreuzgemeinschaft werden. Daher startet am 3. Oktober eine Pilgerreise nach Coventry und am 15. Oktober eine Friedenswanderung in Esslingen-Sulzgries.

Das neue Programm gibt es kostenlos beim Evangelischen Bildungswerk (Tel. 07022/90 57 60), bei den Pfarrämtern und unter www.ebiwes.de.  (etwa 4000 Zeichen)

Kontakt: Markus Geiger, Evangelisches Bildungswerk, Tel. 07022/90 57 60, bildungswerk.esdontospamme@gowaway.web.de
  Peter Dietrich, Freier Journalist, Tel. 07153/894 07 15, peter.dietrichdontospamme@gowaway.journalist-pd.de

Kurzportät von Markus Geiger

... aus dem Gemeindeblatt der Evangelischen Kirchengemeinde Oberensingen-Hardt Ausgabe 325, Juli-September 2017!

Hier geht's zum Kurzporträt!

22.06.2017 Globalisierungskritische Gespräche auf den Fildern

Die Zukunft der Rente

"Die Zukunft der Rente" war Thema der Globalisierungskritischen Gespräche auf den Fildern. Martin Staiger, Dozent für Sozialrecht an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg und Publizist, entzauberte die Rentenmythen: dass es den Rentnern noch nie so gut ging wie heute; den Mythos der demographischen Katastrophe; die Mär, dass die Renten zu teuer werden und nicht von wenigen Jungen getragen werden können; die Behauptung, dass die private Vorsorge über Riester und andere viel bessere Renten sicherten. All das stimme nicht, sagte Staiger und belegte mit Statistiken, dass verglichen mit der Wirtschaftsleistung Deutschlands und dem damit steigenden Bruttosozialprodukt die Renten immer billiger würden. Es gebe durchaus gut abgesicherte Rentner, aber viele lebten bereit jetzt in Altersarmut und diese Schere öffne sich weiter. Laut Staiger könnten ordentliche Renten gut mitfinanziert werden, wenn die steigende Wertschöpfung über Steuern an der Finanzierung der Rente beteiligt werde. Dies sei ein Weg, die Rente zu sichern. In der Diskussion wurde deutlich, dass Solidarität und Gerechtigkeit die Grundlage der Rentenpolitik sein müsse. Wenn alle Bürger in die staatliche Rentenversicherung einbezogen werden, wie Beamte und dies durch eine solidarische Finanzierung über Steuern (also mit der Steuerbeteiligung aller) ergänzt wird, könnte die Rente gut finanziert werden und Armut vermieden werden. Ein Vorschlag aus dem Publikum war, Minirenten automatisch auf 12.000 Euro Jahresrente aufzustocken, wie in Österreich. Es brauche eine starke Zivilgesellschaft, die sich dafür engagiere, war das Fazit dieses Abends.

Text: A. Kuhn

17.06.2017 - Studientag: Abraham und Sara Pioniere des Glaubens

Abenteurer des Glaubens
Seminartag mit Yuval Lapide über Abraham und Sara

Ein Bericht von Winfried Roesner

Juden, Christen und Muslime haben eins gemeinsam, den Glauben an einen Gott. Dieser Monotheismus ist durch einen Mann in die Welt gekommen, der vor rund 4000 Jahren aus Ur in Chaldäa im heutigen Irak aufgebrochen ist, weil Gott ihm ohne Vorwarnung geboten hat: Geh für dich  in das Land, das ich dir zeigen werde! Über Abraham und Sara, Pioniere des Glaubens, fand im evangelischen Gemeindehaus Laterne in Esslingen ein Seminartag statt mit Rabbi Dr. Yuval Lapide als Referenten.

Wer dem jüdischen Brückenbauer Yuval Lapide zuhört, muss als erstes versuchen, das deutsche Denken von heute abzustreifen und sich in den alten Orient zu versetzen. In diese Welt führt nur ein einziges Tor: die hebräische Sprache. Weil Deutsch und Hebräisch für Yuval Lapide Muttersprachen sind, ist er der ideale Exeget. Unter seiner philologischen Anleitung haben rund 20 hochmotivierte Teilnehmer/innen die Abraham-Kapitel der Genesis (1. Buch Mose, Tora) erarbeitet. Für viele von ihnen mag sich das Bild Abrahams und Saras, aber auch von Hagar, Ismael, Isaak und nicht zuletzt das Bild des alttestamentarischen Gottes erheblich verändert haben.

Abram (erhabener Vater), wie er zunächst hieß, wohnte in einer Gegend voller Schafe, Ziegen und Götter. Plötzlich fordert ihn  e i n  Gott heraus. Verlasse das fade Gewohnte, lass dich auf Ungewohntes ein! Gottes Versprechen lautet: Du wirst ein Segen sein. Fünfmal! Segen heißt immer Reichtum an Nachkommenschaft und spiritueller Reichtum. Abram und Sara sind nüchterne Viehzüchter. Sie brauchen keinen brennenden Dornbusch, keine Himmelsleiter. Ein Wort dieses einzigen und einzigartigen Gottes genügt. Auch Lapide genügt oft ein Wort, um das Letzte aus jedem Buchstaben herauszuholen. Wenn das Wort Erde fällt, adama, hört der Jude mehr als wir. In adama steckt Adam; mit Adam begann die Schöpfung, also steckt in diesem einen Wort an Abraham die Verheißung einer neuen Schöpfung.
Abrahams Antwort auf Gottes Zutrauen ist ebenfalls bedingungsloses Vertrauen.

Sara ist einbezogen in die Verheißung Abrahams (Vater vieler Völker). Sie ist unfruchtbar, in der Bibel immer wieder Vorausetzung dafür zu zeigen, dass für Gott nichts unmöglich ist. Vor Sara aber wird ihre Magd Hagar an ihrer Stelle schwanger von Abraham. Das war damals üblich. Auch Hagar hat einen sprechenden Namen: Hagar heißt die Auswanderin. Sie kommt aus Ägypten. Als sie schwanger ist und ihre Herrin nicht, sieht sie auf Sara herab, verweigert den ihr schuldigen Respekt, ein grobes Fehlverhalten im Orient. Und bis zum Schluss wird Hagar blind bleiben, ihren Knaben Ismael vor lauter Selbstmitleid fast verdursten lassen, wenn nicht ein Engel ihr doch noch die Augen öffnete. Trotzdem gilt auch ihr, einer Frau und Ausländerin, die Verheißung großer Nachkommenschaft.

Das Dauerthema der Bibel: Wie gehen Juden mit Fremden um?, zieht sich bis in die Gegenwart. Hier jedoch ist der historisierende Erklärer Lapide dem brillanten Bibelkundler Lapide unterlegen. Hagars Unbelehrbarkeit und Ismaels eher schlichte Berufung auf die Araber in Geschichte und Gegenwart zu übertragen, ist eher unhistorisch und übersieht 500 Jahre Goldenes Zeitalter des Islam. Aber das wäre ein anderes Seminar wert.
Was aber, zurück zur Bibel,  Christen wie Juden zu tun bleibt, ist die Anerkennung der Schöpfung und der vorausschauenden Liebe Gottes. Wer das schafft und gemäß seines Vermögens an der Gestaltung der Erde mitarbeitet, dem ist Sein Segen sicher. Und das ist immer genau der, den der Mensch braucht.

 

 

Auch Wirtschaften ist unsere Kultur!

Aus einer Nürtinger Ansicht um 1800. Künstler: unbekannt Original: Stadtmuseum Nürtingen

Ein Beitrag aus Nürtingen – nicht nur zum Lutherjahr 2017

Auch Wirtschaften ist unsere Kultur!
Plädoyer für ein Weltkulturerbe Streuobstlandschaften Baden-Württembergs und Europas

Als Streuobstlandschaft wird hier jede Landschaft verstanden, in welcher Variationen des traditionellen Obstbaues mit überwiegend hochstämmigen Obstbäumen – eingebettet in gemischt agrikultureller Landnutzung sowie verbunden mit dem Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrszusammenhang – stadt/landschaftsbildprägend und kulturprägend wirken.
Ein UNESCO-Weltkulturerbeverfahren für europäische Streuobstlandschaften soll erfolgreich initiiert und abgeschlossen werden. Dieser Bildungsprozess bringt neue Einsichten und neuen Nutzen aus diesem gemeinsamen kulturellen Schatz.

Ansichten
Streuobstlandschaften  sind Zeugnisse einer traditionellen,  gemischten , agroforstlich geprägten Landbewirtschaftung Europas. Es sind Landschaften von hohem kulturgeschichtlichen, ökologischem, ökonomischem und sozialem Wert. Sie sind eine positive Option auf die Gestaltung der Stadt-Landentwicklung in diesen Regionen für die nächsten 50 bis 100 Jahre, da durch die Integration von solchen Landnutzungsarealen Übergangszonen geschaffen werden, welche in besonderer Weise sozial und ökologisch  hochwertig sind.

Wir sind der Überzeugung, daß die Variationen des traditionellen europäischen Streu- oder Hochstammobstbaues in ihren Umgebungen ein feines kulturelles Erbe darstellen. Sie haben Charme, Anziehungskraft und Wirkung weit über ihre Gebietsgrenzen hinaus. Diese vom traditionellen Obstbau geprägten Landschaften Deutschlands, Frankreichs, Österreichs, der Schweiz, der Slowakei, Rumäniens und weiteren Ländern Europas, stellen gemeinsam einen  universellen Schatz der Menschheit dar. Dieser Schatz der Menschheit  soll auf der UNESCO – Liste der Stätten des materiellen Kulturerbes und im Bewußtsein der Menschen einen beachteten  Platz neben anderen bedeutenden Landschaften der Welt finden! 

© Peter Scharfenberger

Weltkulturerbe ! Der außergewöhnliche, universelle Wert – echt, unversehrt und bedroht
Baden-Württembergische und europäische Streuobstlandschaften sind unserer Ansicht nach lebendige Kulturlandschaften von außergewöhnlichem, universellen Wert für die Menschheit.
Wir sehen für die Streuobstlandschaften als „organischer Kulturlandschaft“ insbesondere die UNESCO - Welterbekriterien V und X als zutreffend an.
Die Echtheit / Autentizität des baden-württembergischen Anteiles am europäischen Projekt ergibt sich aus der historisch durchgängigen gemischten, auf Nutzen und Einkommen  zielenden Bewirtschaftungstradition eines Großteiles der Flächen, der daraus erwachsenden, gewünschten Artentreue der Fauna/Flora-Leitarten sowie der erhaltenen Raumoffenheit der Areale. Die Unversehrtheit / Integrität des Kulturgutes besteht in  der weiterhin produktiven Rolle seiner materiellen und immateriellen Bestandteile, in der enormen biologischen Vielfalt der ausgewählten/ noch auszuwählenden Kern- und Pufferzonen und seiner wesenhaft dynamischen Einpassung in natürliche oder  siedlungs- und gewerbestrukturelle oder ökonomische Gegebenheiten bzw. Variablen sowie sich verändernden und doch immer kooperativen Sozialformen. 
„Echtheit“ und „Unversehrtheit“ sind in Ihrem Bestand gefährdet, so daß wir von einem bedrohten kulturlandschaftlichen Schatz der Menschheit sprechen müssen.

© Peter Scharfenberger

Notwendigkeiten
Das durchaus bedrängte, ja bedrohte Streuobstwesen Baden-Württembergs und Europas braucht eine weittragende Allianz aus Bürgern, Verbänden in der Gesellschaft, Verwaltungen  und Staaten, welche die Qualität versprechenden Feldobstbau-Gebiete zu  starken Land/Forst- und Gewerbewirtschaftsarealen mit kultureller Brillanz erneuert.
Die „große Draufsicht“ auf die Variationen der europäischen Streuobstlandschaften als gemeinsamem Kulturgut für europaweite Kooperation und ein grenzüberschreitendes Welkulturerbe-Verfahren ist auf internationaler Ebene vorzunehmen.
Eine geeignete, grenzübergreifend praktikable und gemeinsam vereinbarte Wissensarchitektur ist für kraftvolle Kooperationen und  zum gemeinsamen Weltkulturerbeverfahren notwendig.
Es soll ein Kooperations- und Projektkonzept erstellt werden, welches - einer „organischen Kulturlandschaft“ entsprechend - eine sozialökologisch dynamische, anpassungsfähige Entwicklung erleichtert und welches dem Geist der „Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Menschheit von 1972“ entspricht. Ebenso sollen beispielhafte Landschaften in Baden-Württemberg, Deutschland und in anderen Staaten bestimmt und beschrieben werden für ein System von Stätten des materiellen Weltkulturerbes Streuobstlandschaften Europas.
Traditionelle und Neue, verbesserte Formen der Bewirtschaftung, der Verwertung von Produkten und Bewertungen der vielfältigen Nutzensformen sind aus der kooperativen internationalen  Betrachtung zu entwickeln. Insbesondere Formen der Gemeinwohlwirtschaft / Allmende, des „fair trade“,  des genossenschaftlichen Wirtschaftens sowie kooperativer Individualwirtschaft sind zu nutzen. Ob sich aus dem Welterbeverfahren die Notwendigkeit zusätzlicher Schutzvorschriften ergibt, folgt aus der Schutzqualität der bestehenden gesetzlichen Regelungen in den beteiligten Staaten. Bei ausreichender Schutzqualität seither, sind solche zusätzlichen Regeln nicht zu erwarten.

 

 

© Peter Scharfenberger

Aussichten für das Land Baden-Württemberg und andere Staaten
Eine Zielführung auf „materielles Kulturerbe Streuobstwesen“ aufgrund der physischen Präsenz dieser Landschaften eröffnet das enorme materielle und gewerbliche Potenzial der Aufgabe.
Das UNESCO-Verfahren zur Anerkennung als Stätten materiellen, kulturlandschaftlichen Welterbes ist Ansporn zu großzügiger Anschauung, Fassung und Fortführung ( = Tradition ) des europäischen Kulturgutes „Streuobstlandschaften“. Es öffnet  einen hervorragenden Einstieg zum Bildungsthema „Heimat“ = Landschaft / Wirtschaft, Siedlungswesen / Landbewirtschaftung / Boden / Klima und Wasser / Ökologie / Gesellschaft / Migration. Und es erleichtert aufgrund der grenzüberschreitenden Anlage den Blick auf die Vielfalt von Heimaten.
Welche Funktionen hatten Streuobstlandschaften im Laufe der Zeiten inne, begründeten die Existenz dieser Landnutzungsform ? Welche Funktionen werden in 50 oder 100 Jahren die Bedürfnisgrundlage dieser Landnutzung sein ? Ernährung, Artenvielfalt, Naherholung, Klima- und Energie, Bildung  und last but not least Bedürfnisse nach funktionalen, organischen Stadt/Landübergängen, Bedarfe an naturnahem Wohn- und Gewerberaum ?
Ja, es geht um hohe, direkte Investitionen zur Verwirklichung des baden-württembergischen Anteiles am europäischen Projekt. Diese werden ein mehrfaches an nachfolgenden Investitionen in den Regionen bewirken. Unmittelbare Erträge, neue Bewertungen der Nutzen der Areale und geeignete Finanzierungsmodelle mögen die Anfangsinvestitionen mittelfristig von den Schultern der öffentlichen Hand nehmen.

Dieser Text ist in Anteilen an den Verhältnissen in Baden-Württemberg orientiert, bietet jedoch Hinweise für alle einbezogenen  Bundesländer und Staaten. Alle Rechte beim Autor. Darf unter namentlichem Autorenverweis zitiert und vervielfältigt werden. Stand 19.5.2017
Autor: Peter Scharfenberger, Kirchstr.5, D-72622 Nürtingen/Tel: 00491772521002 , @:
imkerei.scharfenbergerdontospamme@gowaway.web.de

31.05.2017 Kirchheimer Reihe: Wie Luther nach Württemberg kam oder: Wie wir evangelisch wurden

 Luther und sein Einfluss auf Württemberg

Kirchengeschichte Wie das Herzogtum Württemberg evangelisch wurde, darüber sprach Wolfgang Schöllkopf in der Kirchheimer Martinskirche. Von Iris Häfner - "Der Teckbote"

Ein Vortrag im Staccato, ein Name nach dem anderen prasselt auf die Zuhörer nieder. Es sind Pfarrer, die am Anfang der Reformationszeit in Kirchheim gelebt, gewirkt und gepredigt haben. „Reformation fordert vollen Einsatz“, sagte Dr. Wolfgang Schöllkopf gleich zu Beginn seines Vortrags „Wie Luther nach Württemberg kam - oder: Wie wir evangelisch wurden“. Und diesen vollen Einsatz forderte er auch von seinen Zuhörern ein.
Das Lutherjahr bezeichnete Schöllkopf als derzeitigen Wanderzirkus. Nach Kirchheim ist er gern gekommen, denn nicht alle Städte, in denen er über die Reformation spricht, haben eine Schöllkopfstraße vorzuweisen. Flugs ist er bei der Gottesdienst-Gestaltung angelangt. Bis heute sei es keine Lutherische Messe, sondern ein schwäbischer Kaltblüter geblieben, so wie es in den oberdeutschen Reichstädten seit jeher der Fall ist. „Eine kräftige Predigt, vier Lieder, Gebet und Segen - und kommt nächste Woche wieder. Wir in Württemberg sind eine Spezialanfertigung“, sagte er. In diesem Zusammenhang fällt der Name Zwingli. Wikipedia klärt alle Nicht-Theologen auf: Huldrych Zwingli, geboren am 1. Januar 1484, war ein Schweizer Theologe und der erste Zürcher Reformator. Aus der Zürcher und der Genfer Reformation ging die reformierte Kirche hervor.
Immer wieder verglich der Referent Martin Luther mit Johannes Brenz. Letzterer wurde 1499 geboren und durch sein Wirken als Reformator in Schwäbisch Hall bekannt. Er ist auch Namensgeber für die Brenz-Medaille, die höchste Auszeichnung, die die Württembergische Kirche zu vergeben hat. Johannes Brenz hat die Sympathie von Wolfgang Schöllkopf. „Er hat keine Hetzschriften geschrieben, weder gegen Juden, Türken oder Hexen.“ Überhaupt sei Luther erst später zur Ikone geworden und auf Denkmalsockel gesetzt worden. Schüler, Schriften, Songs lautete eine Überschrift seines Vortrags. „Die Songs waren für das Volk das Genialste. Die Menschen haben damals viel gesungen, denn das Singen hat die schwere Arbeit erleichtert“, erklärte Schöllkopf. Geniale Texte seien auf bekannte Melodien geschrieben worden und sind bis heute als Lutherlieder bekannt. Berührungsängste gab es nicht, schlüpfrige Urtexte wurden bewusst in Kauf genommen, denn die Tonfolge kannte jeder, etwa des Lumpenlieds „Und wenn der Pfarr‘ die Köchin schlägt“ - im Gesangbuch heißt es „Es ist das Heil uns kommen her“.
Am Ende des Vortrags schloss sich eine Fragerunde an, die unter anderem auch die dunklen Seiten Luthers thematisierten, etwa seine endzeitliche Weltsicht, seine Hetz- und Hass-Schriften. Das auf sein Magenleiden zu schieben, entschuldigt nach Ansicht von Schöllkopf den Reformator nicht: „Ein Theologe sollte auch einen Kopf haben.“ Moderiert wurde der Abend von Heinrich Georg Rothe, Pfarrer und Islambeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Gleich zu Beginn des Abends begrüßte Jochen Maier, Pfarrer der Kirchheimer Martinskirche, als Hausherr die Gäste.
In Kirchheim war Martin Luther nicht, vermutlich hat er niemals einen Fuß auf württembergischen Boden gesetzt. Doch seine Botschaft wirkt weiter. Laut Wolfgang Schöllkopf wollte der Reformator seine Übersetzung der Bibel nie museal gehandhabt sehen. Die Übersetzung der Heiligen Schrift höre nie auf und er sagte auch: „Evangelisch wird man immer wieder.“ Den Anfang hat Herzog Ulrich gemacht. In seinem Herrschaftsbereich musste jeder evangelisch werden - ob er wollte oder nicht. Am 16. Mai 1534 wurde in der Stuttgarter Stiftskirche der erste öffentliche evangelische Gottesdienst gefeiert.

01.04.2017 - BAKS Kirchenbezirk Bernhausen

Das Alter hat Zukunft - Chancen und Herausforderungen mit Älteren in der Gemeinde

Eine Informationsveranstaltung für Mitwirkende in der Arbeit mit Seniorinnen und Senioren, Kirchengemeinderäte, Besuchsdienste und Interessierte. 14.30 Uhr - 17.00 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus Plattenhardt, Kirchstraße - neben der Kirche

Ein Bericht und Bilder der Veranstaltung!

20.12.2016 AK Ökonomie

© Bericht aus der Eßlinger Zeitung v. 23.12.2016

Auch Menschen in Arbeit haben inzwischen große Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Der Bestand an Sozialwohnungen schrumpft dahin, ohne dass Besserung in Sicht wäre.
Wie aber können wir die Kurve kriegen? Was muss, was könnte geschehen, um dem Problem Herr zu werden?

Vier Fachkunde Experten diskutierten dieses brennende Problem und zeigten aus unterschiedlicher Sicht Lösungen auf.

Es diskutierten:
Wilfried Wallbrecht, Erster Bürgermeister der Stadt Esslingen
Michael Schleicher, ehem. Leiter des Amtes für Wohnungswesen der Stadt Köln
Stefan Beck, Geschäftsführer Haus und Grund Esslingen e.V.
Udo Casper, Landesgeschäftsführer Deutscher Mieterbund
Arbeitskreis Ökonomie Esslingen (attac Esslingen, Caritas Fils-Neckar-Alb, DGB, EBI, Evang. Bildungswerk, Evang. Kirchenbezirk Esslingen, Heimstatt, Kath. Erwachsenenbildung, Kreisdiakonie, Kulturzentrum Dieselstraße, vhs Esslingen)

23.11.2016 Globalisierungskritische Gespräche auf den Fildern

© Bericht v. Adalbert Kuhn, Eßlinger Zeitung 19.12.2016

 

Ein Veranstaltungsbericht von Adalbert Kuhn

Herrn Prof. Segbers Präsentation
 

 

 

14.11.2016 Kirchheimer Reihe "Genaration Allah" - Ahmad Mansour

© Bericht aus dem Teckboten v. 16.11.2016

- warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen  oder  „Wovor haben wir Angst?“

Der Psychologe Ahmad Mansour lebt seit zehn Jahren in Deutschland und beschäftigt sich mit Projekten und Initiativen, die Extremismus bekämpfen und Demokratie und Toleranz fördern. Dazu führt er Schulungen mit der Polizei, Pädagogen und Sozialarbeiter durch, unter anderem über Indikatoren und mögliche Präventionsansätze gegen Radikalisierung. Die Fragestellung: „Wovor haben wir Angst?“ stand im Mittelpunkt des Abends.

zur Bildergalerie

Begegnungstag KIRCHE UND GEWERKSCHAFT 2016

Frieden oder Krieg als Mittel der Politik?

... unter diesem Titel stand die Begegnungstagung die vom 11.-12. November 2016 stattfand.

Hier die Präsentation von Paul Russmann!

Teilhabe für alle!? 08.10.2016

© R. Genth

Aus den Situationen von Menschen mit Einschränkungen, aus Tafelläden, Schulen und von einer Wohngruppe für Menschen mit Demenz berichteten Verantwortliche über ihre Erfahrungen.

Detaillierter Bericht und weitere Bilder der Veranstaltung!

PRESSEINFORMATION VOM 8. SEPTEMBER 2016

Die Frau mit dem aufrechten Gang

Das Evangelische Bildungswerk im Landkreis Esslingen stellt sein Halbjahresprogramm vor 

So dick war das Halbjahresprogramm des Evangelischen Bildungswerks im Landkreis Esslingen noch nie. Auf 148 Seiten gibt es Angebote im ganzen Landkreis. Gefragte Veranstaltungen gibt es gleich an mehreren Orten. Höhepunkte sind die Bildungswerk-Reihen in Esslingen, Kirchheim und Nürtingen, bei freiem Eintritt. 

Hier geht's zum kompletten Artikel von Peter Dietrich, Freier Journalist

Rechtsterrorismus in Baden-Württemberg?

© Vorsitzender des Landtags-Untersuchungsausschusses: Wolfgang Drexler berichtete im Nürtinger Amtsgericht über den NSU. Foto: Mohn

Sie haben gemordet, geraubt, Bomben gelegt: Der Nationalsozialistische Untergrund, kurz NSU, zog eine blutige Spur durch Deutschland, auch durch Baden-Württemberg. Ein groß angelegter Untersuchungsausschuss des Landtags begab sich auf Spurensuche des rechtsextremistischen Terrors. Darüber referiert MdL Wolfgang Drexler am 13.7.2016 im Rahmen des Bezirkskirchentages im Amtsgericht Nürtingen.

Bericht von Nicole Mohn in der Nürtinger Zeitung am 15.7.2016

Flyer

Übertrumpft Satire klassischen Journalismus?

© Dietrich Krauss im Stadtbüro unserer Zeitung Foto: Holzwarth

Dr. Dietrich Krauss, Autor der „Anstalt“ im ZDF, sprach beim Bezirkskirchentag über das Verhältnis von Kabarett und Journalismus.

Flyer

Bericht von Jürgen Gerrmann in der Nürtinger Zeitung